Sprachmitteln. Übersetzen? Dolmetschen!

Die Begriffe Sprachmitteln, Übersetzen und Dolmetschen sind verwandt, doch sie bedeuten keineswegs das gleiche. Häufig werden sie in der Alltagssprache verwechselt oder falsch verwendet. Wer selbst als Dolmetscher:in tätig ist oder mit ihnen zusammen arbeitet, sollte wissen, was sich hinter den Begriffen verbirgt. 

Das beugt Missverständnisse vor und verhilft Dolmetscher:innen zu einem besseren Verständnis, was zu ihren Aufgaben gehört – und was nicht.

Mit den folgenden Erläuterungen möchten wir für mehr Klarheit sorgen und häufige Fragen beantworten.

In der Alltagssprache werden die Bezeichnungen Dolmetschen, Übersetzen und Sprachmittlung oft durcheinander gebracht. In Fachkreisen unterscheiden wir:

Dolmetscher:innen ermöglichen die Verständigung zwischen Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen bzw. gebärden. Dolmetschen bezeichnet die zeitnahe gesprochene bzw. gebärdete Übertragung von Äußerungen aus einer Sprache in eine andere, wobei sprachliche, kulturelle und situative Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden.

Übersetzen ist die Übertragung schriftlicher Texte von einer Sprache in eine andere in schriftlicher Form. Übersetzungen von schriftsprachlichen Texten in Gebärdensprachen werden in Videoformaten aufgezeichnet. Grundsätzlich werden beim Übersetzen sprachliche, kulturelle und stilistische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. 

Es gibt auch Mischformen, wie z. B. das Schriftdolmetschen, was die Verschriftlichung eines gesprochenen Textes in einer anderen Sprache bzw. in einem anderen Sprachregister ist.  Auch Stegreifübersetzen ist eine solche Mischform, da ein schriftlich formulierter Text mündlich vom Blatt übersetzt wird.

Sprachmittlung ist der Oberbegriff für die beiden oben genannten Tätigkeiten des Dolmetschens und Übersetzens.

Gedolmetscht wird in ganz unterschiedlichen Situationen und Settings.

Von Konferenzdolmetschen spricht man bei Fachkonferenzen, Kongressen und internationalen Gipfeltreffen; darunter fallen auch in diesem Rahmen stattfindende Vier-Augen-Gespräche, Seminare, Schulungen, Betriebs- und Werksführungen, Verhandlungen oder offizielle Empfänge. Im Konferenzdolmetschen unterscheidet man zwischen Simultan- und Konsekutivdolmetschen. Meist wird hier mit technischen Hilfsmitteln für viele Teilnehmer und oft für mehr als zwei Sprachen gedolmetscht.

Das Mediendolmetschen, Simultandolmetschen in Fernsehen und Rundfunk, ist allgemein bekannt durch Unterhaltungssendungen.

Ein weiterer zunehmend wichtiger Bereich ist das sogenannte Dolmetschen im Gemeinwesen (Community Interpreting). Hierunter versteht man das Dolmetschen in behördlichen und nicht-behördlichen Institutionen und Einrichtungen in:

  • Gesundheitswesen (u.a. Arztpraxen und Krankenhäuser)
  • Bildungswesen (u.a. Kitas, Schulen)
  • Sozialwesen (u.a. Wohlfahrtsverbände, Frauenhäuser, Flüchtlingsunterkünfte, Altenheime, Kinder- und Jugendheime)
  • Rechtswesen und Strafverfolgung (u.a. Polizei, Gericht, Justizvollzugsanstalten)
  • öffentliche Verwaltung (u.a. Arbeitsagentur, Jobcenter, Standesamt, Ausländerbehörde, Jugendamt)
  • gemeinnützige Organisationen, Initiativen und Vereine

Hier wird für einzelne oder wenige Personen ohne technische Hilfsmittel gedolmetscht.

Simultandolmetschen

Simultandolmetschen ist die nahezu zeitgleiche Übertragung des gesprochenen Wortes von einer Sprache in eine andere. Häufig kommen bei dieser Art des Dolmetschens Konferenztechnik und Dolmetschkabinen oder – bei kleineren Veranstaltungen – auch sogenannte Personenführungsanlagen zum Einsatz. Das Zielpublikum hört die Dolmetschung in der Regel über Kopfhörer.

Eine Sonderform des Simultandolmetschens ist das sogenannte Flüsterdolmetschen. Dieser Modus bietet sich bei ein bis maximal drei Zuhörer:innen an. Das Gesagte wird dabei simultan mit leiser Stimme nah bei den Zielpersonen in die andere Sprache übertragen.

Der Vorteil des Simultandolmetschens besteht in der Gleichzeitigkeit, das bedeutet, es entsteht kein Zeitverlust.

Konsekutivdolmetschen

Beim Konsekutivdolmetschen wird das Gesagte nacheinander und abschnittsweise in die andere Sprache übertragen. Da die Redeabschnitte in der Regel etwas länger sind, macht sich der Dolmetscher als Gedankenstütze Notizen, während der/die Redner:in spricht. Nach der Beendigung eines Sinnabschnittes wird dieser in die Fremdsprache übertragen.

Eine Sonderform des Konsekutivdolmetschens ist das Gesprächsdolmetschen, auch Verhandlungsdolmetschen genannt. Es findet ebenso zeitversetzt statt, doch in der Regel findet die Dolmetschung schon nach ein bis zwei Sätzen statt, nicht nach einem langen Sinnabschnitt.

Der Vorteil dieser Art des Dolmetschens besteht darin, dass in der Regel keine technische Ausstattung benötigt wird. Allerdings muss für die Dolmetschung zusätzliche Zeit eingeplant werden.

wichtige Aufgaben und Kompetenzen

Das “Dolmetschen im Gemeinwesen” oder “Community Interpreting” wird landläufig auch “Sprachmittlung” genannt. Hierbei handelt es sich aber keineswegs um eine niederschwellige oder vereinfachte Dolmetschleistung.

VIdeodolmetschen – Sehen und Hören

Für das Ferndolmetschen per Video- und Audioübertragung sind die Qualität der verwendeten Bild- und Tontechnik sowie der Datenverbindung und weitere situative und technische Aspekte grundlegender Bedeutung.

Um eine für das Dolmetschen ausreichende Tonqualität zu gewährleisten, ist der Einsatz von Headsets oder zumindest eines Mikrofons für jede:n Sprecher:in unabdingbar.

Dolmetscher:innen müssen die Teilnehmenden, insbesondere die jeweils sprechende Person, nicht nur gut hören, sondern auch gut sehen können. Hierzu müssen jeweils Kameras, gegebenenfalls mit entsprechender Kameraführung, sowie Monitore mit guter Bildqualität vorgesehen sein. Beim Gebärdensprachdolmetschen sowie beim Dolmetschen im Gemeinwesen ist es unerlässlich, dass auch die Dolmetscher:innen von allen Teilnehmenden gut zu sehen sind. 

Die Übertragung muss störungsfrei und die dafür benötigte Kapazität so ausgelegt sein, dass kein Versatz zwischen Bild und Ton auftritt. Dazu wird eine kabelgebundene Internetverbindung (kein WLAN!) empfohlen. Es empfiehlt sich, die Technik vor Gesprächsbeginn hinreichend zu testen. Die technische Verantwortung sowie die Haftung für die Qualität der Verbindung darf nicht bei den Dolmetscher:innen liegen, sondern muss von ihnen explizit (schriftlich) ausgeschlossen werden.

Zudem sind jeweils unterschiedliche situative Aspekte zu berücksichtigen. So kann es vorkommen, dass nur der/die Dolmetscher:in aus der Ferne zugeschaltet ist und alle anderen Teilnehmenden sich gemeinsam vor Ort befinden oder dass sich alle oder einzelne Teilnehmende an unterschiedlichen Orten befinden. Dokumente, Abbildungen oder Gegenstände, auf die während des Gesprächs Bezug genommen wird, müssen auch für den/die Dolmetscher:in sichtbar gemacht werden.

Aufgrund der höheren kognitiven Belastung beim Ferndolmetschen sind häufigere Pausen und eine maximale Länge des Einsatzes bzw. ein Wechsel der Dolmetscher:innen vorzusehen.

Während für das konsekutive (abschnittsweise) Dolmetschen per Video bei Einhaltung der genannten Anforderungen prinzipiell jede Videokonferenzsoftware zum Einsatz kommen kann, sind für das simultane Videodolmetschen (Remote Simultaneous Interpreting, RSI) komplexere Lösungen erforderlich, da u.a. zusätzliche Tonkanäle für die gleichzeitige Verdolmetschung vorhanden sein müssen. In jüngster Zeit kommen dabei zunehmend Online-Plattformen zum Einsatz, die jedoch nur zum Teil den hohen Anforderungen hinsichtlich der Bedienerfreundlichkeit und des Datenschutzes genügen.

Bewährt haben sich sogenannte Dolmetsch-Hubs; dort wird die zum simultanen Videodolmetschen erforderliche Konferenztechnik mit Dolmetschkabinen bereitgestellt und eine umfassende technische Betreuung der Dolmetscher:innen und zugeschalteten Teilnehmer:innen gewährleistet.

Auch bei bestmöglicher technischer Ausstattung bleibt das Präsenzdolmetschen dem Videodolmetschen immer vorzuziehen!

und wie sieht das alles in der Praxis aus?

Aus unserer Arbeit als Dolmetscher:innen sind wir sowohl mit Theorie als auch Praxis vertraut. Unser Wissen teilen wir gerne!

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