Worum geht es?

Dolmetscherinnen tragen beim Asylverfahren eine enorme Verantwortung sowohl gegenüber den Geflüchteten als auch den Asylbehörden. Letzteren bleibt teilweise aus Mangel an ausreichend qualifizierten DolmetscherInnen für Arabisch, Farsi, Dari oder afrikanische Sprachen und Dialekte wie Oromo, Fulfulde, Wolof, Maninka/Mandinka, Somali und Tigrinya keine andere Wahl, als Laien-DolmetscherInnen zu rekrutieren.

Neben guten Sprachkenntnissen mangelt es den Laien-DolmetscherInnen oft am klaren Verständnis für die eigene Rolle im Hinblick auf Neutralität, und zwar im Sinne einer Allparteilichkeit.

Gleichzeitig werden AnhörerInnen, die meist unter Zeitdruck die relevanten Informationen über die AntragstellerInnen protokollieren müssen, auf den Einsatz und die Rolle von DolmetscherInnen ungenügend vorbereitet und erwarten Neutralität „in ihrem Sinne“.

Und die dritte Akteursgruppe, die Geflüchteten selbst, ist auf die korrekte Verdolmetschung angewiesen und hofft vielleicht in einigen Fällen auch auf Empathie oder sogar direkte Hilfe der dolmetschenden Person.

Die Situation der DolmetscherInnen, die zwischen allen Stühlen oft „im Akkord“ Fluchtursachen mit traumatischen Erfahrungen – wie Tod, Mord, Folter, Vergewaltigungen – verarbeiten müssen, ist schwer belastend.

Vor diesem Hintergrund regte sich in Berlin in einer Gruppe von professionellen KonferenzdolmetscherInnen, die sowohl in AIIC, BDÜ und VKD organisiert als auch teilweise verbandsunabhängig sind, der Wunsch, die eigenen Kompetenzen, das Wissen aus Studium und Berufspraxis für eine Professionalisierung der DolmetscherInnen in Asylverfahren einzusetzen.

Die Berliner Initiative hat zuletzt an einem konkreten Projekt gearbeitet, in dem die Dolmetschpraxis im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) begleitet wurde, um die Qualität der Verdolmetschung zu verbessern.