FAQ Projekt Dolmetschmentoring im Asylverfahren

Das Projekt Dolmetschmentoring im Asylverfahren

Für die sprachmittelnden Aufgaben im BAMF werden für Sprachen, in denen es keine oder nur wenig professionelle DolmetscherInnen in Deutschland gibt, häufig LaiendolmetscherInnen rekrutiert, die eine hohe Verantwortung für diese Aufgabe tragen müssen. Trotz bester Absichten fehlt es ihnen aber oft an einschlägiger, fachspezifischer Qualifikation (Dolmetschtechniken, Kenntnis der Dolmetschrolle und der Berufsethik, interkulturelle Kenntnisse) sowie Erfahrung. Außerdem ist die Tätigkeit im Bereich Asyl und Migration meistens sehr belastend, was eine entsprechende Vorbereitung und Supervision zur Grundlage eines gesunden Umgangs mit der Dolmetschsituation macht. Das Ziel der Initiative ist es, die LaiendolmetscherInnen durch Mentoringprogramme so zu qualifizieren, dass die Qualität der Verdolmetschungen nachweisbar verbessert und die neutrale Dolmetschrolle eingehalten wird, die ethischen Grundsätze des Berufws Beachtung finden und die DolmetscherInnen durch Traumapräventionskenntnisse und -übungen vor zu großer Belastung und Stress geschützt werden.
Professionelle DolmetscherInnen werden als Mentoren geschult und begleiten je zwei Mentees über mehrere Anhörungen hinweg. In unterstützenden Feedbackgesprächen werden Aspekte wie Dolmetschrolle, Berufsethik, interkulturelle Kompetenz, Dolmetschtechniken, Distanzierungstechniken, Stressmanagement und Traumaprävention nahegebracht, individuelle Strategien entwickelt und der Fortschritt dokumentiert und auch evaluiert.
Das Land Berlin, seine Verwaltung, die mit der Registrierung, Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen betrauten Ämter und Behörden standen 2015 wegen organisatorischer Mängel in der Kritik. Kritisiert wurde auch das allgemein niedrige Qualifizierungsniveau der von den Behörden für das Dolmetschen eingesetzten Personen: Eine anerkannte Ausbildung oder qualifizierte Nachweise zur Eignung und Sprachkenntnisse wurden und werden immer noch oft nicht verlangt. Selbst Maßnahmen zur Qualifizierung und Qualitätssicherung wurden in vielen Ämtern bis dato nicht ausreichend ergriffen oder umgesetzt. Asylbescheide wurden vermehrt angegriffen, und auch das Berufsbild der bis jetzt ungeschützten Berufsbezeichnung „DolmetscherIn“ nimmt Schaden. Einige Mitglieder der BI, die auch beim BAMF tätig waren, schlossen sich dieser Initiative im September an und halfen bei der Bedarfsklärung im BAMF und bereiteten den Weg für das erste Projekt der Berliner Initiative. Eine Hospitationsreihe beim BAMF in Berlin und Brandenburg, an der mehrere DolmetscherInnen der Initiative aber auch die TraumapräventionstrainerInnen teilnahmen, fand an fünf Tagen im Juni 2017 statt und verhalf durch Überprüfung des Bedarfs zur Erarbeitung eines auf das Projekt maßgeschneiderten Mentoring- und Trainingsprogramms.
Die Mentees sind für das BAMF tätige DolmetscherInnen, die sich für das Mentoringprogramm bei der Gesellschaft für DolmetschMentoring beworben haben. Die MentorInnen sind DolmetscherInnen der Berliner Initiative. Sie haben jeweils mindestens zwei Mentees an ihren Einsatztagen in die Asylanhörungen begleiten und mit ihnen anschließend Feedbackgespräche geführt.
Die Mentees profitierten von der Teilnahme am Pilotprojekt durch den Austausch mit erfahrenen, qualifizierten DolmetscherInnen über ihre Rolle, Dolmetschtechniken, Berufsethik, interkulturelle Fragen, aber auch über Stressmanagement, die Balance zwischen Distanzierung und Empathie sowie Traumaprävention. So stärkten sie ihre Fähigkeiten und entwickelten neue Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, während ihrer Einsätze selbstsicherer in ihrer Rolle aufzutreten und die Qualitätsstandards für die Anhörungen im Asylverfahren einzuhalten. Ein Grundstein für weitere berufliche Perspektiven wurde ebenfalls durch die Qualifizierung gelegt.
Die MentorInnen mussten über einen akademischen Abschluss im Bereich Dolmetschen, Konferenzdolmetschen, Community Interpreting o.ä. verfügen oder langjährige Erfahrung in mindestens einem dieser Bereiche vorweisen. Darüber hinaus absolvierten sie spezielle Schulungen zur interkulturellen Kommunikation und zu Feedbackgeben, Gesprächsführung in schwierigen Kommunikationssituationen, sowie zu Traumaprävention.
die Gesellschaft für Dolmetschementoring gUG (DoMG) ist die Projektträgerin. Sie war in jeder Hinsicht für das Pilotprojekt im BAMF zuständig. Die Berliner Initiative hat das Projekt von Anfang an mitentwickelt und arbeitete die inhaltliche Aussrichtung zu.
Die Gesellschaft für Dolmetschmentoring gUG ist eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG). Verantwortlich zeichnet sich Kristin von Randow als Geschäftsführerin.
Die Gesellschaft für Dolmetschmentoring gUG i.G. ist gemeinnützig und verfolgt keine gewinnorientierten Ziele.
Die Berliner Initiative hat das Mentoringprogramm auf die Beine gestellt und wird während und nach dessen Umsetzung auch weiterhin bestehen. Die Gesellschaft für Dolmetschmentoring gUG ist Projektträgerin des Mentorinprogramms; sie ist für die Auswahl, die Ausbildung und den Einsatz der MentorInnen zuständig. Die MentorInnen werden von der DoMG beauftragt.