WEITERKOMMEN IM BERUF

Was ist eigentlich professionell?

Auf dem freien Markt haben sich in den letzten Jahren Bezeichnungen wie Sprachmittler, Kulturmittler oder Lotsen etabliert, die in gewissem Maße mit dem Dolmetschen zu tun haben. Aufgrund des stark gestiegenen Bedarfs an Dolmetschern finden sich viele Menschen mit Kenntnissen in mindestens zwei Sprachen in dieser Rolle wieder. Nicht immer ist den Beteiligten dabei klar, was die Anforderungen dieser Tätigkeit sind.

Jeder kann in Deutschland Dolmetschdienste anbieten, denn die Berufsbezeichnung „Dolmetscher/Dolmetscherin“ ist rechtlich nicht geschützt. Das heißt, anders als bei Ingenieuren, Sozialarbeitern, Krankenpflegern oder Rechtsanwälten wird bei Dolmetschern keine bestimmte Ausbildung oder kein konkreter Abschluss vorausgesetzt. Daher ist es nicht immer leicht, Professionalität im Bereich des Dolmetschens nachzuweisen. 

Professionell zu sein heißt für uns:

  • die eigene Rolle und Aufgabe zu kennen,
  • die berufliche Tätigkeit fachkundig, kompetent und verantwortungsvoll auszuüben, 
  • sich fortzubilden und 
  • die eigenen Fähigkeiten sowie die eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen.

Berufsethik

Unter Berufsethik versteht man zentrale Werte, die die Haltung des Dolmetschers / der Dolmetscherin prägen, sein/ihr Handeln lenken und die Grundlage für seine/ihre Entscheidungen bilden.

Zentrale Werte in der Ausübung der Dolmetschertätigkeit sind für die BI:

Dolmetscher:innen verhalten sich stets verantwortungsbewusst und respektvoll. Sie erfüllen ihre Aufgabe so, dass die Würde aller Beteiligten gewahrt bleibt. Sie achten darauf, dass weder persönliche Interessen noch Interessen von anderen die Erfüllung ihrer Aufgaben beeinflussen. Sie nutzen ihre Machtposition nicht aus, fügen niemandem Schaden zu und ziehen keinen persönlichen Vorteil aus der Dolmetschsituation. Sie handeln stets nach dem Prinzip “do no harm”.

Dolmetscher:innen nehmen von den Gesprächsteilnehmer:innen keine materiellen oder immateriellen Zuwendungen jeglicher Art an, noch verlangen sie solche.

Sie sollten gegenüber allen Gesprächsteilnehmer:innen über ihr Handeln Rechenschaft ablegen können und sich darüber bewusst sein, dass ihr Verhalten sich stets auch auf ihren eigenen Berufsstand auswirkt.

Sämtliche im Zusammenhang mit dem Dolmetscheinsatz erlangten Informationen dürfen zum Schutz aller Beteiligten weder an andere Personen weitergegeben noch anderweitig genutzt werden. Dolmetscher:innen sind zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet. Die Einhaltung der Verschwiegenheit ist die Voraussetzung für das Vertrauen aller Beteiligten in den/die Dolmetscher:in und schützt auch den/die Dolmetscher:in selbst.

Im Sinne von Unparteilichkeit und Allparteilichkeit:

Neutralität ist eine sensible Haltung, die der/die Dolmetscher:in – der/die sein/ihr eigenes Menschsein nie vollkommen verneinen kann und soll – durch ein dynamisches Maß an Empathie und Distanz gegenüber den Gesprächspartner:innen idealerweise erreicht.

Alle Äußerungen werden gedolmetscht; dazu gehören auch die eigenen Kommentare, Nachfragen und Erklärungen der Dolmetscher:in sowie Kommentare, Nachfragen und Einforderungen von Erklärungen, die an diese gerichtet werden.

Die Inhalte werden mit dem entsprechenden äquivalenten Ausdruck, wie zum Beispiel der passenden Terminologie und dem passenden Sprachregister wiedergegeben. Dabei werden die ursprünglichen Aussagen und Begriffe weder verallgemeinert, noch konkretisiert. Mitschwingende Emotionen, Sprechweise und stilistische Merkmale wie Ironie werden von dem/der Dolmetscher:in maßvoll in das sprachlich-kulturelle Äquivalent übertragen. Sollte es kein genaues Äquivalent im Sprachpaar geben, kann eine Umformulierung, eine Umschreibung bzw. – unter Berücksichtigung der Transparenz – eine Nachfrage oder Erklärung erfolgen.

Außerdem erfordert diese Tätigkeit die Fähigkeit zur Empathie und in der Gesprächssituation ein ständig “dynamisches Maß an Empathie und Distanz”.

MATERIAL

Zur Arbeit von professionellen Dolmetscher:innen gehört auch eine angemessene inhaltliche und lexikalische Vorbereitung und die Erstellung von Glossaren. Wir haben einige Anregungen hierzu zusammengestellt.

AUSBILDUNG

Die Möglichkeiten, die es in Deutschland gibt, um sich als Dolmetscher:in zu qualifizieren, sind sehr unterschiedlich von der Hochschule bis zu Kurzseminaren wird Einiges angeboten: Prüfungen der IHK, staatliche Prüfungen, anerkannte und nicht anerkannte Bildungsangebote… Wir bieten einen Überblick.

berufsverbände

Zahlreiche Dolmetscher:innen und Übersetzer:innen organisieren sich in Berufsverbänden, um ihre gemeinsamen Interessen besser vertreten zu können.

Bei Bedarf bieten wir verschiedene Angebote an – von kurzen Workshops bis hin zu umfangreichen Kooperationsprojekten.

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